} Naturparadiesli

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B ü n d n e r T a g b l a tt
Fre i t a g , 1 7. Ju n i 2 0 1 6

Im «Paradiesli» liegt das Glück
auf dem Rücken der Pferde

In Arezen im Safiental hat Sylvia Blattner kürzlich das 10-Jahr-Jubiläum ihres Reiterhofes «Paradiesli» gefeiert.
Die ausgebildete Vereinstrainerin ist selbst eine grosse Pferde- und Naturfreundin.

▸ MAYA H Ö N E I S E N

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Idyllisch hier oben. Natur pur. Ein paar wenige Gehöfte, die Wiesen voller bunter Frühlingsblumen und blühender Apfelbäume. Eine Schafherde blökt, als das gelbe Auto des Briefträgers vor einem alten Walserhaus hält. Zwei Pferde, ein weisses und ein braunes, stehen vor einem Stall und gucken neugierig auf die Besucherin, die aus dem Auto steigt. Ansonsten liegt Stille in den stotzigen Hängen in Arezen im Safiental. Paradiesisch im «Paradiesli». Sylvia Blattners Reiterhof trägt seinen Namen wahrlich nicht umsonst.

Wo liegt denn Arezen?

Aus dem Stall tritt nun die Chefin des Hofes. Sie hat am frühen Morgen bereits ihre Pferde herausgeputzt für deren Ausgang auf die grünen Wiesen. Rasch fegt sie mit einem Lappen über zwei leere Futterkübel und stellt sie umgekehrt als Sitzgelegenheiten vor die Holzwand des Stalls. Bevor sie ins Safiental gezogen sei, vor nunmehr zehn Jahren, sei sie nie zuvor da gewesen, sie habe nicht einmal gewusst, wo Arezen überhaupt liege, erzählt sie und setzt sich auf den einen Kübel. Gross geworden ist Sylvia Blattner in Tamins. Ihre Leidenschaft für Pferde hat sie bereits im Alter von zwölf Jahren entdeckt. Vor 24 Jahren hat sie dann in Bonaduz ihr erstes eigenes Pferd gekauft. Eben der Braune, «Quen» heisst er, der schon etwas ungeduldig vor dem Zaun auf seinen täglichen Ausgang wartet. «26-jährig ist er und hat schon meinen ersten Freund mitgemacht», meint Sylvia Blattner schmunzelnd.

Eigentlich habe sie Bereiterin werden wollen, aber davon

 

Fühlt sich im Safiental rundum wohl:
Die passionierte Reiterin Sylvia Blattner mit einem ihrer Pferde
auf dem Reiterhof «Paradiesli». (FOTO MAYA HÖNEISEN)

 

heute die «Ruinaulta», dann blieb für dieses Hobby keine Zeit mehr. Im Jahr 2006 zog sie ins Safiental. Sie habe es sich gründlich überlegt, mit Kind dahin zu ziehen, erklärt sie. Anfangs habe ihr kleiner Sohn an den steilen Hängen überhaupt nicht laufen können. Schon um in den Kindergarten zu kommen, musste er zu Fuss hinunter zur Hauptstrasse bis zum Postauto. Inzwischen ist aber alles mehr als gut für Sylvia Blattner. Man hat ja alles hier. Man hilft sich gegenseitig und alles geht gut», sagt sie.

Reitwochen auf dem Hof

«Quen» wird nun langsam ungehalten. Nervös scharrt er mit dem Vorderhuf, wirft von der Seite her immer wieder einen Blick auf Sylvia Blattner. Sie lacht: «Er sieht mich sitzen und reden und sagt mir, dass er nun endlich raus will». «Quen» ist auch in seinem hohen Alter noch eines der Unterrichtspferde auf dem Hof. Sylvia Blattner, welche im Besitz des Reit- und Fahrbrevets, der Dressur- und Springlizenz sowie, als ausgebildete Vereinstrainerin, Jugend- und Sportleiterin ist, lehrt Anfänger und Fortgeschrittene das Reiten und den Umgang mit Pferden. Vor allem im Sommer ist hr Hof jeweils voll von pferdebegeisterten Kindern, die in ihren einwöchigen Reitlagern auch auf ihrem Hof wohnen.

Harmonie zwischen Mensch und Tier liegt Blattner am Herzen. Gerne zeigt sie auch dem Dressurreiter, wie er auf sanftem Wege schwierigste Lektionen erlernen kann, auch zirzensische. Sie steht auf. «Quen», der Ungeduldige! Der stürmt auch sofort los, als er endlich darf. Ein Satz und er ist über den nächsten Zaun auf seiner Weide und nun auch gleich wieder ganz zufrieden.


Weitere Informationen unter:
www.naturparadiesli.ch


sei ihr von der Berufsberatung abgeraten worden, erzählt sie weiter. Also absolvierte sie die Handelsschule und arbeitete danach kaufmännisch. Mit «Quen», den sie selber ausgebildet hatte, nahm sie an Springkonkurrenzen und Dressurprüfungen teil. Zahlreiche müssen es in der Tat gewesen sein, davon zeugen all die blechernen Täfelchen an der Stallwand.

«Man hat hier alles»

In den 80er-Jahren half Sylvia Blattner, den Reitetrieb San Jon in Scuol aufzubauen, der heute

 
über 60 Pferde beherbergt. Dann wechselte sie nach Untervaz,wo sie zusammen mit ihrem Partner einen eigenen Hof mit 16 Pferden – eigenen und Pensionspferden – einrichtete. Im Jahr 2000 kam ihr Sohn zur Welt und Sylvia Blattner berichtete regelmässig in einer Kolumne in der «Bündner Woche» von Pferden, Hof und Kind. Schreiben habe ihr immer gelegen, erklärt sie jetzt oben in Arezen. Schon in der Schule habe sie besonders gerne Aufsätze verfasst.

Eine Weile schrieb sie noch für das damalige «Rhiiblatt»,
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