} Naturparadiesli
Freitag, 28. November 2008
Rhiiblatt 21

UMFRAGE

Tourismus bietet attraktive Perspektiven < als pdf-Dokument downloaden >

Mit welchen Problemen haben Unternehmer im Safiental zu kämpfen? Wo sind ihre Chancen, was gibt es zu verbessern? Das «Rhiiblatt» hat sich umgehört.

• Von Monika Degiacomi


Erich Zinsli, Erich Zinsli Transporte, Safien Platz
«Die Erich Zinsli Transporte wurde 1954 von meinem Vater Felix Zinsli gegründet. 1986 habe ich die Firma übernommen. Zurzeit beschäftigen wir zwei Chauffeure (fest) sowie ein bis zwei Personen als Aushilfe. Auch meine Frau arbeitet teilzeit im Betrieb mit.
Wir sind hauptsächlich als Zulieferer für die Baubranche im Safiental tätig. Muldenservice, Kipper-, Kran- und Holztransporte sind unser Kerngeschäft. Mit zwei Pflügen, einer Schneefräse und wenn nötig mit einem Pneulader und einem Splittfahrzeug sind wir im Winter für offene, sichere Strassen im Safiental unterwegs.
Unser Vorteil ist, dass wir vor Ort sind und die Tücken der Safierstrasse bestens kennen. Wir können drei Familien eine Existenz bieten und so einen Beitrag gegen die Abwanderung leisten. Der lange Winter hat für uns im Safiental den Nachteil, dass die Bautätigkeit bei über 1200 m ü. M. oft wegen Schnee und gefrorenem Boden schon im November eingestellt werden muss und im Frühling erst spät wieder aufgenommen wird. Die 13-Tonnen-Beschränkung auf der Safierstrasse verteuert im Allgemeinen die Transportkosten für den Einwohner.»

 

Erich_Zinsli

Erich Zinsli ist hauptsächlich als Zulieferer für die Baubranche tätig.
Im Winter sorgt er für schneefreie Strassen
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Sylvia Blattner, Paradiesli,
Versam Arezen
«20 Minuten von Ilanz und Chur, hiess es, als ich den mir unbekannten Ort Arezen suchte, um mein mögliches neues Zuhause kennen zu lernen. Nein, niemals, ging es mir durch den Kopf, als ich, am Ende der Welt, im steilen Hang ganz oben, den Stall und das 300-jährige Walserhaus besichtigte. Der Charme des Hauses, die lieben Nachbarn und der Gedanke, etwas völlig Verrücktes zu tun, liessen mich, nach reiflicher Überlegung, Arezerin werden. Ein 20 x 40 Meter breites Reitviereck wurde erstellt, und nach und nach entstand, mit der wohlwollenden Gemeinde im Rücken, das Paradiesli mit Freilauf-Pferdeboxen, Massen- und Einzelzimmern. Angeboten wird alles rund ums Pferd: Reitunterricht, Kinderlager, Erwachsenenkurse, Pferdetrekking, Zucht reiner spanischer Pferde sowie Ausbildung und Korrektur von Pferden. Bestimmt wäre es irgendwo unten einfacher, nur schon, weil das Einzugsgebiet mehr Gäste mit sich bringt. Schade auch, dass die Kinder der Nachbargemeinde Bonaduz aufgrund der miserablen öffentlichen Verkehrsmittel-Verbindungen nicht allein zu einer Reitstunde anreisen können. Das Paradiesli befindet sich im Aufbau, weshalb ich während dreier Tage auswärts das Geld verdiene. Ziel ist es schon, vom eigenen Unternehmen leben zu können. Wiederkommende, glückliche grosse und kleine Gäste bestätigen das Konzept. Es sei einmalig hier, schwärmen viele, aber wohnen könnten sie hier nicht. Das brauchen sie auch nicht, ich bin doch hier.»

Kasi Fellmann,
Kanuschule Versam

«Mitte der 80er-Jahre gründeten ein paar begeisterte Kanufahrer inmitten der Rheinschlucht eine Kanuschule. Die Wahl für den Standort am Eingang zum Safiental war nicht zufällig: Die Rheinschlucht gehört zu den schönsten Paddelrevieren Europas. Die Kombination von mittelschwerem Wildwasser in einer noch fast intakten Naturlandschaft und die einzigartige Möglichkeit, das Kanu mit der Bahn transportieren zu können, begeistern unsere Gäste und uns.
Nächstes Jahr feiern wir unser 20-jähriges Bestehen. Rechtzeitig zum Jubiläum konnte die Infrastruktur den Bedürfnissen unserer Kunden angepasst werden. Die neu erstellte Basis mit geräumigen Garderoben, Material- und Schulungsräumen ist das neue Flaggschiff der Kanuschule Versam und eröffnet uns Perspektiven für die nächsten 20 Jahre.



Heute arbeiten in der Sommersaison rund 15 bis 20 Guides. Kanukurse, Raftfahren und Sicherheitskurse mit Schwerpunkt Wildwasser sind unsere Kernkompetenz. Immer wichtiger wird aber auch der angegliederte Paddlershop für Zubehör.
 Für uns und die ganze Region ist es wichtig, dem Sommer- wie auch dem Wintertourismus einen grösseren Stellenwert einzuräumen. Der Tourismus bietet viele attraktive Perspektiven und verhilft zu neuen Einnahmequellen. Die Nachhaltigkeit der Angebote muss dabei sichergestellt werden, denn dies wird von Gästen sehr geschätzt. Eine Schwierigkeit für uns ist, Mitarbeiter aus der Region für den Beruf des Kanulehrers zu gewinnen. Viele unserer heutigen und ehemaligen Mitarbeiter sind aber in der Region Safiental einheimisch geworden.»

Kasi Fellmann

Kasi Fellmann glaubt, dass es für die Region wichtig ist, dem
Tourismus einen grösseren Stellenwert einzuräumen.

Sylvia Blattner hofft, eines Tages gänzlich vom eigenen Unternehmen leben zu können.                                                  (Bilder md)

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