Da waren es noch drei …

Dass Hühner allseits begehrt sind, wussten wir schon lange, sei es als Chicken-Nuggets auf dem Teller oder als leckere Hauptspeise des Habichts und des Fuchses.



Unser Federvieh liebt es, sich ausserhalb des eingezäunten Auslaufes, der wohl zwischendurch eine Ameise oder gar ein Würmchen anbietet, zu vergnügen. Da ist die Weite der Wiese mit dem zahlreichen Grünzeug, die grosse Auswahl an allem was kreucht und fleucht sowie die herrlichen Plätze für Sandbäder. Völlig unbeschwert, wie Hühner nun mal sind, gackern sie von dannen und sausen eilig zum Hahn, wenn er sie mit dem speziellen Ruf darauf aufmerksam macht, dass er etwas besonders Gutes für sie gefunden hat. Ja, Helvetia, Grischuna, Patria und das Spitzhaubenhuhn «Hübli» haben mit dem «liaba Hähnli» einen tollen Chef, der gut für sie sorgt.


Um die Gefahren für unser Federvieh wissend, liessen wir sie letzten Winter nur über Mittag aus dem Auslauf, wenn wir uns ebenfalls auf dem Sitzplatz aufhielten, nachdem wir Helvetia im Herbst in letzter Minute aus den Klauen des Habichts retten konnten. Bewusstlos kullerte sie den den Abhang hinunter, umgeben von stiebenden Federn. Glücklicherweise fehlte ihr, abgesehen von dem Federverlust, nichts.
An einem herrlichen Wintertag lag ich auf dem Bänklein und genoss die Sonne, als ich plötzlich die Hühner neben mir wild aufschreien hörte. Ich traute meinen Augen nicht: der Habicht hatte sich, lautlos vom Himmel in die Tiefe gestochen, auf Grischuna gestürzt. Durch mein Gebrülle erschrocken schwang er sich innert Sekunden dahin, woher er gekommen war. Doch sein nächster Besuch liess nicht lange auf sich warten: nur für einen kurzen Moment verrichtete ich etwas im Haus bis ich die Krähen in wilder Aufregung hörte. Meine Befürchtung bestätigte sich bei Öffnen der Haustüre. Nie werde ich diesen stolzen Blick des majestätisch auf unserem lieben Hähnchen sitzenden Habichts vergessen, der im Begriff war, diesem die Federn zu rupfen, umkreist von den Krähen, welche auch etwas von seiner Beute abhaben wollten. Aber wiederum machte ich ihm einen Strich durch die Rechnung, und erneut verlor das Hähnchen das Bewusstsein, was einem immer zu Tode erschreckt, weil man nie sicher ist, ober er nicht doch das Leben verloren hat.


Dann folgte eine unbeschwerte Zeit. Die Hühner gackerten freudig wie immer in der grossen Weite um unser Haus. Das Gras wurde höher und der Habicht hatte nebst der schlechten Ortungsmöglichkeit bestimmt auch wieder mehr andere Beute zur Verfügung. Aber dann, an einem wunderschönen, heissen Julitag lag sie neben dem Auslauf, in einem Sandloch, das sonst fürs Sandbaden benutzt wurde: Patria, unverletzt, und irgendwie friedlich eingeschlafen. War es die Hitze, die ihr zugesetzt hatte? Oder ein Herzproblem? Wir werden es nie erfahren. Aber es tat mir leid um das noch junge, hübsche, zahme und gut eierlegende Huhn.
Ein paar Tage später – wir fühlten unsere Hühner nun dank dem hohen Gras sicher – gab es draussen wieder mal Hühnergeschrei. Attila sah nach und brüllte: «Hau ab!». Diesmal war‘s der Fuchs. Attila sah ihn aus nächster Nähe, mit dem «Hübli» im Maul. Es gelang ihm nicht, den fliehenden Fuchs zu veranlassen, es wieder loszulassen, obschon er ihn verfolgte bis er den Dieb aus den Augen verlor. Aber auch «s‘ liaba Hähnli» fehlte. Wir hatten Glück und fanden ihn auf dem Fluchtweg des Fuchses im Gras geduckt. Aber wie sah der denn aus? Als wir ihn hochhoben schrie er wie am Spiess. Sein ganzes schönes Schwanzgefieder fehlte, aber ansonsten schien er nebst einem Schock keinen grösseren Schaden davongetragen zu haben.



Mann, war das eine rabenschwarze Hühnerwoche. Von unseren fünf Tieren blieben noch drei übrig, die beiden alten Hühner und ein kaum wieder zu erkennendes liebes Hähnchen. Fressen und Gefressen werden, eine Tatsache des Lebens, die man nicht immer gleich gut verkraftet.

15.07.15/sb

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