Aladin

Sofort sprang er ins Auge, der Black Beauty mit dem hellen Stern und den weissen Abzeichen an den Beinen. Allerdings war er mager und verbissen, weil er mit der Gruppenhaltung nicht klar kam. Dennoch, er sollte in Zukunft das Paradiesli bereichern. Die Besitzerin hatte ihn zwei Jahre lang auf der Weide ruhen lassen, nachdem sie ihn vom betagten Vorbesitzer übernahm. Dieser war durch Aladins Schreckhaftigkeit gröber vom Pferd gefallen.

Probereiten lag nicht drin aufgrund der langen Stehpause, dafür bekamen wir eine grosszügige Probezeit. Aladin freundete sich sofort mit unserem Warmblut Quen an. Wie angenehm es doch war, mit einem 15jährigen Pferd zu arbeiten, das gute Manieren mit sich brachte! Sein feiner Charakter und seine tolle Ausstrahlung bezauberten.

Dann das erste Reiten: gehorsam, aber völlig verspannt und schief. Ich konnte ja Pferde ausbilden, das brauchte nun also noch etwas Zeit, dachte ich mir. Allerdings. Sein schwungvoller Trab wurde nur dann angenehm, wenn man ihn über den Rücken an den Zügel reiten konnte. Immer deutlicher zeigte sich, dass Aladin mit viel Kraft und Druck geritten wurde. Mir gelang es nur manchmal und für kürzere Zeit, ihn mit sanften Hilfen in Haltung zu bringen und dann herrlich schwungvoll untertretend und selbsttragend übers Viereck zu schweben. Aber dann wars wunderbar! Springen schien unmöglich, weil er sich freimachte und in vollem Tempo unkontrollierbar über das Hindernis stürmte. Schade, denn seine gute Abstammung mit Ratina Z verhiess eine Superveranlagung.

Schon längst hatte ich zu schärferem Gebiss gegriffen, konnte ich doch die Leichtigkeit nur erarbeiten, wenn ich auch mal zum Treiben kam. Das widerstrebte mir und meiner Einstellung zur Ausbildung. Es gab Fortschritte, ja. Aber nur kleine. Eigentlich sollte Aladin auch als Schulpferd nutzbar sein. Mit den Anfängern ging das unterdessen auch sehr gut. Sobald aber Fortgeschrittene mehr wollten, kippte Aladins Schalter auf Turbo. Es war ihnen auch mit scharfem Biss nicht möglich, das Tempo zu drosseln. Kleinste Sprünge zog er mit Vollgas an. Dennoch schlugen so viele Herzen für ihn. Rücksichtsvoll, feinfühlig und schmusig.

Nach zwei Jahren musste ich eingestehen: Traumpferd Aladin konnte unser Paradiesli nicht wie gewünscht bereichern. Zu einschneidend waren seine Erfahrungen in früheren Jahren. Er brauchte mehr Zeit, als er mit seinen unterdessen 17 Jahren noch hatte, ein gutes Allround-Pferd auch für die Reitschüler zu werden. Schweren Herzens – denn sein Charme, seine Loyalität und auch sein liebes Auge bezauberten mich noch immer – suchte ich für Aladin ein tolles, neues Plätzchen. Das fand sich glücklicherweise auch. Nun darf er, ohne reiterliche Aufgaben erfüllen zu müssen, Spielgefährte für ein erblindetes Pferd und seinen Kumpel sein.

Alles Liebe Aladin!

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